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Karate Geschichte

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Goju-Ryu Karate-Do Geschichte

Von Shihan Drs. Harry Spa (1951-1999)

Die Beschreibung der Geschichte und der Entwicklung des Goju-Ryu Karate- Do war bisher eine unsichere Sache. Bis vor kurzem schien sich niemand damit zu beschäftigen. Die einen verwiesen auf Kanryo Higaonna, den Okinawaner; der in der 2. Hälfte des 19 Jahrhunderts den chinesischen Kampfsport in Fuzhou erlernte, der Hauptstadt der Provinz Fujan in China.

Dies hat sich kürzlich (1996) grundlegend geändert. Sensei Morio Higaonna, die führendste Persönlichkeit im Okinawa Goju-Ryu Karate-Do, schrieb vor kurzem ein dem Okinawa Goju-Ryu Karate-Do gewidmetes Buch. Im schreiben der Geschichte liegt immer die Gefahr, sich so stark auf Arbeiten früherer Autoren zu stützen, dass die eigene nur eine Zusammenfassung der ihrigen wird, angefüllt mit Fehlern und Vorurteilen der früheren Generation. Der Autor vereidet diese Zwangslage, indem er sich nur auf die Primärquellen bezieht: Familien, Schüler und Freunde des Gründers des Goju-Ryu Karate-Do, Sensei Chojun Miyagi. Das Material, welches er in Interviews während der letzten 30 Jahre sammelte, ergänzte er durch intensive Forschungen in Okinawa, Japan und China während derselben Zeit. So überrascht es nicht, dass dieses Buch, welches aus seinem gewaltigen Bemühen heraus resultierte, nun als wegweisendes Werk zu diesem Thema angesehen wird.


Ryu Ryu Ko und Kanryo Higaonna:

Die chinesischen Wurzeln

Es war der Okinawaner Kanryo Higaonna (1853-1915), der durch intensive Studien in Fuzhou (Fujian, China) - in der Zeit von 1867-1881- das Fundament gelegt hat, für das, was später als Goju-Ryu Karate-Do bekannt wurde. Kanryo begab sich nach Fuzhou im Herbst 1867, er war damals 15. Mit Ryukyu Kan , einer Art Mikrokosmos im Leben der Okinawaner als Bestimmung. Kanou Tanmei, der Manager des Fremdenhauses, erfuhr von Kanryos Eifer, chinesischen Kampfsport lernen zu wollen und stellte ihn dem chinesischen Meister Ryu Ryu Ko vor.

Es besteht immer noch keine einheitliche Ansicht über Ryu Ryu Ko`s Identität oder den exakten Kampfstil, den er lehrte. Es ist aber bekannt, dass Ryu Ryu Ko`s Familie aus der Aristokratenklasse kam und das in dieser Zeit nur Aristokraten Kampfsport lernten. Ryu Ryu Ko lernte im südlichen Shaolin Tempel in den Bergen der Provinz Fujian. Wegen des inneren Streits, der das Feudalsystem bedrohte und somit auch die chinesische Aristokratie, musste die Familie ihren Status verbergen, um zu überleben. Aus diesem Grund arbeitete Ryu Ryu Ko als Maurer und Konstrukteur. Später stellte er verschiedene Gebrauchsgüter wie Körbe, Möbel und andere Bambuswaren her. Dies war sein Beruf, als Kanryo Higaonna sein Schüler wurde. In dem Gebiet in dem sich Kanryo Higaonna niederließ, lebten einige Lehrer des Weißen Kranich-Boxens und wahrscheinlich war Ryu Ryu Ko einer von ihnen.

Die Familiengeschichte des weißen Kranich (Bai He) in Fujian geht zurück auf Fang Jiniang, die Tochter von Fang Shiyu, von dem man sagt, dass er die Mönchsfaust (Luohan Quan) während seines Aufenthaltes im südlichen buddistischen Fujian Shaolin Tempel auf dem Berg Julianshan (Nine Lotus) nahe Fuzhou im Pulian Distrikt gelernt hat. Er hatte Verteidigungs- und Angriffsbewegungen des weißen Kranichs studiert und wurde genau deshalb der Gründer und der erste Meister des weißen Kranichs. Die zweite Generation des Yongchun weißer Kranich war Boxgroßmeister Zeng Chishu, der auch ein schwarzer Tiger Boxmeister war. Die weiße Kranich Tradition des 17. Jh. In Fujian wurde stark durch Mönchsfaust und Tigerboxen beeinflusst, und ist wahrscheinlich die Grundlage, in welcher Ryu Ryu Ko Kanryo Higaonna unterrichtete. Der weiße Kranichstil zerfiel später in 5 Haupzweige bekannt als: singender Kranich, schlafender Kranich ( Su He Quan), fliegender Kranich ( Fei He Quan), essender Kranich ( Shi He Quan) und schreiender Kranich (Ming He Quan) und wahrscheinlich in weitere zahlreiche Unterzweige. Wie auch immer, die Aufopferung von Kanryo Higaonna war derart, dass er schließlich Ryu Ryu Ko`s ushi-deshi wurde; er erhielt mit dem Inneren Training somit den Unterricht des gesamten Systems, ebenso das Studium der Waffen und der traditionellen chinesischen Medizin. Es ist nicht wirklich exakt klar, in welchem Jahr Kanryo Higaonna mit dem Kampfsportunterricht in Okinawa begann, aber es ist bekannt, dass er erst einige Jahre nach seiner Rückkehr aus China mit dem Unterricht begann. Zuerst begann Kanryo mit seinem Unterricht in seiner Heimat Nishishin­machi, und später (im September 1905) begann er auch in Naha in der Kuritsu Shogyo Koto Gakko (Naha Commercial High School) zu unterrichten. Er hatte viele bedeutende Schüler und schließlich folgte ihm sein Lieblingsstudent Chojun Miyagi als führender Meister des Naha-te.


CHOJUN MIYAGI`S GOJU-RYU KARATE-DO

Chojun Miyagi (1888 - 1953) ist der Begründer des heutigen Goju-Ryu Karate-Do, er systematisierte sein Wissen und seine Erfahrungen, welche die Grundlage bildeten. Chojun Miyagi war Kanryo Higaonna`s talentiertester und ausgewähltester Schüler. Chojun Miyagi stammte aus einer reichen Familie mit hohem Ansehen, Reedern, die u. a. Medizin aus China importierten und diese an die Herrscherfamilie, die Regierung und Geschäftshäuser lieferten. Um ihn auf seine zukünftige Aufgabe - die Leitung der Familiengeschäfte - vorzubereiten, wurde der erst 11jährige Chojun zu Ryoko Aragaki (1875 - 1961) gebracht, der ihn seinerseits im alter von 14 Jahren zu Kanryo Higaonna sandte. Dort wurde Chojun Miyagi zusammen mit Juhatsu Kyoda (1887 - 1967) gründlich in Higaonna`s Naha- te unterrichtet. 3 Monate vor dem Tod Higaonna Kanryo’s reiste der begeisterte Chojun Miyagi, der sich rund um die Uhr mit Kampfkünsten beschäftigte, bereits das erste mal nach Fuzhou, China, dem Mekka der südchinesischen Kampfkünsten (Nan Quan), um den Geburtsort von Kanryo Higaonna`s Naha- te zu besuchen und dem Grab von Ryu Ryu Ko Respekt zu zollen. Chojun Miyagi blieb zusammen mit Aisho Nakamoto (1881 - ­1945) für zwei Monate in Fuzhou, um zu trainieren und sie besuchten außerdem den Julianshan Fuijan Shaolin Tempel. Zurück in Okinawa befreundete er sich mit zwei Teehändlern von Fuzhou, Wu Xianhui und Tang Daiji (jap. To Daiki), beide waren berühmte Kampfsportlehrer. Wu Xianhui (1886 - 1940) kam 1912 nach Naha, um das Weiße Kranichboxen zu unterrichten und sich unter anderem mit Juhatsu Kiyoda, Chojun Miyagi und Kenwa Mabuni (1889 - 1952) bekannt zu machen. Chojun Miyagi verließ zusammen mit Wu Xianhui Okinawa, um Fuzhou Ende der zwanziger Jahre erneut zu besuchen. Außer zu Wu Xianhui, der 1912 von Fuzhou nach Naha emigrierte, hatte Miyagi bereits eine gute Beziehung mit dem ebenfalls von Fuzhou nach Naha emigrierten Tang Daiji (1887 - 1937), einem Tigerboxmeister ( Hu Quan) entwickelt.

Im Februar 1936 traf Miyagi in Shanghai den berühmten Mönchsfaustmeister Miao Xing (1881 - 1939), mit dem er durch Wu Xianshui bekannt gemacht wurde. Man sagt von Miyagi, dass er für einige Zeit gewissenhaft mit Miao Xing und anderen chinesischen Meistern intensiv trainierte, verbunden mit der Jingwu Athletic Assosiation. Er besuchte außerdem die nationalen Kampfsportmeisterschaften. Miyagi widmete seine ganze Zeit der Entwicklung dem, was man "toudijutsu" (China Faustkunst) oder einfach "te" in Okinawa nannte. 1921 besuchte Kronprinz Hirohito Okinawa, bevor er nach Europa reiste. Während dieses Besuches wurde sowohl Shuri-te als auch Naha-te von Chojun Miyagi vorgeführt. 1925 führte Miyagi dem Prinzen Chichibu Nomiya seine Übungen vor und kurz danach im Jahr 1926 gründete er in Okinawa zusammen mit Chomo Hanashiro (Shuri-te), Choyu Motobu (Tomari-te) und Kenwa Mabuni das Karate Kenkyu-Kai (Okinawan Karate Research Club). Ein Jahr später führte Chojun Miyagi Jigoro Kano Kampf,- Schlag- und Wurftechniken und die Anwendung der Atmung vor. Kano war sehr beeindruckt von diesem toudijutsu und machte Miyagi bekannt mit seinem Freund Mabuni. Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre gab Miyagi zusammen mit seinem besten Schüler Jinan Shinzato (1901-1945) zu dieser Zeit einige Seminare und Demonstrationen an japanischen Universitäten, beim Budoturnier und zu den Krönungsfeierlichkeiten des Kronprinzen Hirohito. 1933 ließ Chojun Miyagi Goju-Ryu offiziell in die reguläre japanische Budo-Institution, die renomierte „Dai Nippon Butokukai“ und die „All Japan Martial Arts Assosiation“ (toudi) eintragen. Später erhielt Miyagi vom Ministerium für Leibeserziehung die höchste Auszeichnung des Dai Nippon Butokukai und wurde repräsentativ an die Budokukai Abteilung für Okinawa berufen. Das Goju-Ryu Karate-Do - der Name leitet sich ab vom Bubishi – ist die erster und älteste Karatetradition, die von der Dai Nippon Butokukai anerkannt wurde und ihr Begründer Chojun Miyagi erwarb sich eine herausragende Stellung im Karate-Do. Im Mai 1934 reiste Chojun Miyagi auf eine Einladung hin nach Hawaii, wo er unterrichtete und Demonstrationen bis Februar 1935 gab. Sein Unterricht in dieser Form wurde als Kempo Karate erwähnt. Am 25. Oktober 1936 versammelten sich die hervorragende Okinawa Meister (Chomo Hanashiro, Chotoku Kyan, Choki Motobu, Chosin Chibana, Juhatsu Kiyoda und Chojun Miyagi) und änderten dem Namen Toudijutsu in Karate-Do.


AN' ICHI MYAGI und MORIO HIGAONNA

Vor dem zweiten Weltkrieg war Chojun Miyagi's bester Schüler Jinan Shinzato. Shinzato war Kriminalbeamter. Neben Karate trainierte er auch Judo. Shinzato war begabt und es war allgemein bekannt, dass er Chojun Miyagi's Nachfolger werden sollte. Leider wurde er während des 2. Weltkrieges getötet. Außer Shinzato verlor Chojun Miyagi zwei Töchter und seinen dritten Sohn während dieses Krieges. Vor dem Krieg begann Chojun Miyagi's Trainingsmethode mit Hojo undo, Uke harai, Ude tanren, Yakusoku kumite, Kakie und der Sanchin Kata. Dies waren die täglichen Übungen der Schüler in den ersten drei bis fünf Jahren und umfasste 80 % von Chojun Miyagi's Unterricht. Danach wurden ein oder zwei Kaishu Kata gelehrt. Tiefe und Anwendung variierten je nach dem technischen Verständnis der Schüler. Jinan Shinzato erlernte Sanchin, Sesan und Tensho; Seiko Kina lernte Sanchin und Seiyunchin; Meitoku Yagi lernte Sanchin und Suparinpei; Shushin Furungen lernte Sanchin

und Kururunfa. Wie auch immer, die Seniorschüler vor dem Kriege, Seiko Kina, Meitoku Yagi, Kiei Tomoyose, Shushin Furugen, Eiko Miyazato und Ei`ichi Miyazato trainierten nicht mehr. Sie wahren in diesen harten Zeiten mit ihrem Überleben beschäftigt. Deshalb nahm Chojun Miyagi 1948 neue Schüler auf und überarbeitete sein Unterrichtsverfahren, ordnete die Kata des Goju-Ryu in eine feste didaktische Reihefolge, etwas, dass bis dahin noch nicht exsistiert hatte. Im Februar des selben Jahres kamen 4 Studenten in sein Dojo. Dies waren An'ichi Miyagi, Bise Chishin, Gima Seikichi und Tokeshi Kako. Nach einem Jahr harten Trainings blieb nur An'ichi Miyagi. Bis 1951 war er Chojun Miyagi s einziger Schüler. Eine enge Beziehung baute sich

zwischen den beiden auf. Chojun Miyagi behandelte An'ichi wie seinen eigenen Sohn. Chojun Miyagi erkannte, dass er älter wurde. Er unterwies An'ichi in allen Einzelheiten und der Essenz (gokui) des Goju- Ryu’s. Vom Februar 1948 bis zum Oktober 1953 lehrte Chojun Miyagi An'ichi alles was er wusste, um dieses Wissen als Ganzes für die zukünftigen Generationen zu bewahren. 1951 nahm Miyagi neue Schüler auf. Der erste war Shuishi Aragaki, ihm folgten nach und nach immer mehr. Gewöhnlich wurden diese Schüler von An'ichi unterrichtet. 1952 begann die Zahl der Dojo- Mitglieder nach und nach zu wachsen. Am 8. Oktober 1953 starb Meister Chojun Miyagi an einer plötzlichen Herzattacke. Das Training wurde im Gartendojo von Chojun Miyagi`s Haus fortgesetzt. Größtenteils unterrichtete An'ichi und aus seinem Unterricht gingen drei besondere Studenten hervor: Yasuo Iba, Anya Sauchi und Saburo Higa. Zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg begann das Goju-Ryu Gartendojo wieder zu florieren und konnte viele hervorragende Schüler aufnehmen. In dieser Zeit besuchte Morio Higaonna das Gartendojo des Chojun Miyagi. Vor dieser Zeit trainierte Morio Higaonna Goju-Ryu und Shorin-Ryu mit Tsunetaka Shimabukuru, Kenji Kaneshiro und Yoshishige Omine. Durch die Führsprache von Tsunetaka Shimabukuru wurde Morio Higaonna mit dem Gartendojo im März 1955 bekannt gemacht. Bei seinem ersten Besuch traf er Yasuo Iba. Dieser erzählte dem jungen Morio Higaonna, er soll zu An'ichi Miyagi gehen,

da er der Fachkundigste im ganzen Dojo war. Nach dem Training besuchte Morio Higaonna immer Chojun Miyagi's Witwe Makato (1887 - 1966). Manchmal sprachen sie über Chojun Miyagi, einige seiner älteren Studenten und über Karate. Sie betonte, dass er von An'ichi Miyagi lernen solle, da dieser in den letzten Jahren eine enge Beziehung zu ihrem Ehemann hatte und so Goju-Ryu in allen Einzelheiten erlernte. Im August 1957 errichtete Ei`ichi Miyazato ein großes Dojo im Asato Bezirk von Naha, welches er Judokan nannte, nach dem ersten Judo-Dojo von Jigoro Kano. Miyazato, der sich nach dem Krieg auch intensiv mit Judo beschäftigte, wurde ein Judomeister im Jahr 1950 oder 1951und ging im April 1953 nach Japan, um am Japan Kodokan- Seminar teilzunehmen. Miyazato wurde schließlich ein tüchtiger Judomeister und außerdem der Präsident der „Okanawan Judo Federation“. Durch seine Autorität und die Position eines Polizeibeamten wurde Miyazato der offizielle Leiter des Dojo's mit Koshin Iha als seinem Stellvertreter und war verantwortlich für die Beiträge. Dadurch unterrichteten sie immer seltener und übergaben die Verantwortung für das tägliche Training an An'ichi Miyagi. Er war es, der zum Beispiel Iha die Kata Suparinpei lehrte. 1959 verließ An'ichi Miyagi Okinawa, um auf einem amerikanischen Öltanker zu arbeiten. Zu dieser Zeit war es sehr schwierig, in Okinawa Arbeit zu finden und An'ichi hatte die Verantwortung, seine Familie zu versorgen. Ein Jahr später entschied sich Morio Higaonna nach Tokyo zu gehen, um die Takushoku Universität zu besuchen. Während seines Studium besuchte er Okinawa zwei mal im Jahr, jeden Winter für zirka einen Monat und jeden Sommer für etwa zwei oder drei Monate. Bei diesen Gelegenheiten führte er sein Training fort und entwickelte sich mit der Hilfe von An'ichi Miyagi weiter. Das „Okinawa Karate-do Renmei“ wurde im Mai 1956 gegründet sein erster Vorsitzender war Choshin Chibana, der Gründe des Shorin-Ryu. Am 30. Dezember 1960 veranstaltete diese Teilorganisation die ersten offiziellen Dan- Prüfungen. Shoshin Nagamine war der Vorsitzende zu dieser Zeit. Dem Oberausbilder jedes Stils wurde der godan verliehen, 25 karateka schafften sandan (unter ihnen Morio Higaonna), 20 wurde der nidan verliehen und 40 wurde der shodan verliehen. Morio Higaonna unterrichtete 20. Jahre in einem Dojo in Yoyogi, einem Vorort von Tokyo. In dieser Zeit baute er dieses zu einem in der ganzen Welt berühmten Ort aus. Als Ergebnis kamen viele Menschen mit den unterschiedlichsten Kampfsporterfahrungen, um mit Higaonna zu trainieren und von ihm zu lernen zu dürfen. In Tokyo machte Higaonna außerdem auch seinen Lehrer An'ichi Miyagi bekannt. Während dieser Jahre gab An'ichi die Geheimnisse und höchsten Technikstufen an seinen Schüler Morio Higaonna weiter. 1979 wurde sowohl mit der Unterstützung von Chojun Miyagi's Familie und Ken Miyagi (der vierte Sohn des Goju-Ryu Gründers) als auch der vieler seiner älteren Studenten die „International Okinawan Goju-Ryu Karate-Do Federation“ (IOGKF) gegründet.

Der Wunsch von Chojun Miyagi war es, die originalen Techniken des Goju-Ryu unverändert zu erhalten und in Zukunft technisch weiterzuentwickeln, ohne die traditionellen Wurzeln zu verlieren. An'ichi Miyagi wurde zum Ehrenvorsitzende ernannt und Morio Higaonna zum World Chief Instructor. 1981 fuhr Higaonna nach Okinawa und eröffnete ein Dojo in Naha (Higaonna Dojo), um noch mehr zu erforschen. Dort wurde er von den Dokumentarfilmern der BBC, Howard Reid und Michael Croucher ausgewählt, um das traditionelle Karate-Do in den Serien „The Way of the Warrior“ zu repräsentieren. 1987 ging er in die USA, um für das Okinawa Goju-Ryu zu werben. Seit 1987 besuchte er Fuzhou bei vielen Gelegenheiten, um sein Wissen über die chinesischen Wurzeln der Goju-Ryu zu erweitern. Durch diese Besuche etablierten sich enge Verbindungen zwischen IOGKF und der „China Fuzhou Wushu Assosiation“ (CFWA). Die IOGKF heute hat viele Anhänger, mehr als 45.000 zählt man als Schüler in mehr als 45 Ländern überall auf der Welt. In diesem Moment wird das IOGKF Honbu Dojo in Okinawa errichtet, dem Geburtsort des Karate. Es wird das wahre Goju-Ryu Budokan, mit Dojo, Taugungsräumen und einem Schlafsaal im Obergeschoss.


IOGKF Technischer Lehrplan

Das Fujiangebiet ist die geographische Wurzel der meisten Karatestile, rückführend zu ihrem Standort Okinawa. Hinsichtlich Goju-Ryu sind es hauptsächlich Mönchsfaust ( Luohan Quan), Kranichboxen (He Quan) und Tigerboxen (Hu Quan), die das Bild des Goju-Ryu bestimmen, welches nach und nach von Kanryo Higaonna und Chojun Miyagi gestaltet wurde. Ausgangspunkt ist das Qinna (auch Chin Na geschrieben), welches Schlagen oder Greifen meint und das Kernstück des chinesischen Selbstverteidigungssystems bildet. Dieses Qinna nahm ihre feste rituelle Form an (=Kata), wodurch jede Bewegung sich auf Anwendungen oder Bunkai in einfacher (Basic) oder komplizierter und freier Form (Oyo bunkai) bezieht. Abgesehen von dem Wissen der Selbstverteidigungstechniken ist Kata auch die Grundlage von energetischen Qualitäten wie Schlagen, Ausreißen, Anspannungs- und Lockerungsübungen, Zentrieren etc., kurz um, all die Qualitäten die erforderlich für Bewegungen im allgemeinen und Selbstverteidigung im speziellen sind. Es ist klar, das der Ursprung des Okinawa Karate und der chinesischen Kampfsportarten - mit der Kata als Musterbeispiel – in der Selbstverteidigung liegt aber aufgrund des starken Interesses an der Tradition chinesischer Medizin, Philosophie und Spiritualität auch von Anfang an ganzheitlicher Natur waren.

Partnerübungen mit Qinna (Gyaku-te in Goju-Ryu) sind die Grundlage des Kakie (Kokie im Fujiandialekt) und einer der Stützpfeiler des Goju-­Ryu. Goju-Ryu wird durch die Betonung des Nahkampf gekennzeichnet. In den Grundlagen des Kakie lernt der Karate-ka die Go- Aspekte, Absorbierungskräfte als Muchini and Ki- Expansion zu nutzen. Gesichtspunkte die auch in der Sanchin Kata betont werden. Hinsichtlich dieser Kampftechniken lernt der Karateka Stoß- und Ziehtechniken zu nutzen, um in der Phase des Kampfes seinen Gegner (Kuzushi waza) auf einem ihm angenehmen Abstand zu halten. Damit verbunden sind verschiedene Methoden, die Arme oder Beine des Gegners zu umschließen und die Vital- punkte des Körpers zu manipulieren (jap. Kyushu- jutsu). Nach dem Erlernen dieser Grundlagen wurde die Anwendung der Kata im Kakie integriert. Die Kampftechniken wurden im Kakie trainiert. Wie so viele Bunkai kumite sind sie bekannt als "Gyake-te" und werden unterschieden in Kategorien wie Kansetsu waza ( Manipulation der Gelenke), Nage waza ( Wurftechniken), Shime waza ( Abbindungen) und Kyusho waza ( Manipulation der Vitalpunkte). Das Kakie- Training ist vollkommen im Lehrplan integriert. Als gute Basis sind Grundbedingungen und Grundtechniken festgelegt, Kakietraining, Bewegung in mehr freie Übungsformen und endet in Jiu kakie kumite und Iri kumi, die freien Kampfübungen und Wettbewerbsformen des Goju-Ryu. Viele Techniken, die in Kakie und Bunkai trainiert werden, können zurück verfolgt werden zu einem alten chinesischen Text über Kampfarten, das Bubishi. Wege des Wissens des Gyaku-te mit Kakie als praktischer Übungsform und der energetischen Qualität der Bewegung, die traditionale Kata des Goju-Ryu formen Anfang und Ende des Karate-do. Der Einfluss des modernen Wettbewerbskarate WKF und die Sehnsucht nach internationalem Ruf und Anerkennung sind Grund, dass viele Karatestile ihre ursprüngliche kriegerische und geistige Orientierung aufgaben. Als ein Ergebnis sind Kihon, Kata und Kumite in diesen modernen Stilen ausgeschlossen und haben sich in Richtung dessen entwickelt, was im Wettkampf zählt und erlaubt ist . Der Wissensverlust der authentischen Kampfmethoden und das spirituelle Vakuum ereigneten sich in der letzten Dekade dieser modernen Stile und hatten als Ergebnis, das sich viele Karateka wieder mehr in Richtung der tiefgründigen Kampftraditionen von Fujian und Okinawa orientierten und orientieren.